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Warum wir mehr essen, als wir sollten

Matthias Bahr

Warum essen wir oft mehr, als unser Körper braucht? Die Antwort liegt tief in unseren Emotionen, Gewohnheiten und der Psychologie des Essens verborgen

Der Umgang mit Essen

Essen ist weit mehr als eine bloße Notwendigkeit. Es ist Genuss, Gewohnheit und manchmal auch eine Flucht aus dem Alltag. Obwohl der menschliche Körper klare Signale sendet, wenn er Nahrung benötigt, neigen viele Menschen dazu, über den tatsächlichen Bedarf hinaus zu essen. Die Gründe dafür sind tief in der menschlichen Psyche und in der Art, wie wir als Gesellschaft mit Essen umgehen, verwurzelt. 

Emotionale Auslöser und das Comfort Food 

Essen ist eng mit Emotionen verknüpft. Viele greifen zu Snacks oder herzhaften Mahlzeiten, wenn sie sich gestresst, traurig oder gelangweilt fühlen. Dieses sogenannte emotionale Essen entsteht oft, weil bestimmte Nahrungsmittel – insbesondere solche mit hohem Zucker- oder Fettgehalt – eine kurzfristige Belohnung im Gehirn auslösen. Der Anstieg von Dopamin, einem Glückshormon, sorgt für ein angenehmes Gefühl, das jedoch nur von kurzer Dauer ist. Die eigentliche Ursache des emotionalen Ungleichgewichts bleibt ungelöst, während der Griff zu weiteren Snacks oft folgt. 

Gewohnheiten und Umgebungsfaktoren 

Ein weiterer wesentlicher Faktor ist unsere Umgebung. Viele Menschen essen nicht nur, weil sie hungrig sind, sondern weil es zur Routine geworden ist: der Kuchen am Nachmittag, die Chips vor dem Fernseher oder der Nachschlag beim Abendessen, obwohl der Hunger längst gestillt ist. Studien zeigen zudem, dass die Größe von Portionen, Verpackungen oder Tellern unser Essverhalten beeinflusst. Je größer der Teller, desto mehr wird gegessen – oft ohne es bewusst wahrzunehmen. 

Auch soziale Kontexte spielen eine Rolle: In Gesellschaft neigen wir dazu, größere Mengen zu konsumieren, da das Essen Teil der Interaktion wird. Geburtstagsfeiern, Restaurantbesuche oder das gemeinsame Essen mit Freunden machen es schwer, ein klares Sättigungsgefühl wahrzunehmen. 

Biologische und evolutionäre Einflüsse 

Die menschliche Biologie spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Unser Körper ist darauf programmiert, Energie für schlechte Zeiten zu speichern – ein Überbleibsel aus Zeiten, in denen Nahrung knapp war. Heute, wo Lebensmittel jederzeit verfügbar sind, führt dieser Instinkt oft zu Überkonsum. Zusätzlich wirken moderne Lebensmittel mit ihrem hohen Gehalt an Zucker, Salz und Fett besonders reizvoll auf unser Gehirn. Sie übersteuern die natürlichen Signale für Hunger und Sättigung und machen es schwer, Nein zu sagen. 

Strategien gegen das Überessen 

Um das Überessen zu vermeiden, ist es wichtig, ein Bewusstsein für die eigenen Essgewohnheiten zu entwickeln. Achtsames Essen, bei dem man sich bewusst Zeit nimmt, das Essen zu genießen und dabei auf die Körpersignale zu hören, kann helfen, das natürliche Sättigungsgefühl wahrzunehmen. Auch das Vermeiden von Ablenkungen wie Fernsehen oder Smartphones während des Essens trägt dazu bei, bewusster zu essen. 

Emotionale Auslöser lassen sich oft durch alternative Bewältigungsstrategien wie Bewegung, Meditation oder Gespräche mit Freunden in den Griff bekommen. Wer beispielsweise nach einem stressigen Tag automatisch zur Schokolade greift, kann stattdessen versuchen, einen Spaziergang zu machen oder sich einer beruhigenden Tätigkeit zu widmen. 

Fazit

Die Psychologie des Essens zeigt, dass unser Essverhalten von einer Vielzahl von Faktoren beeinflusst wird – von Emotionen über Gewohnheiten bis hin zu biologischen Mechanismen. Indem wir diese Einflüsse verstehen und lernen, bewusst mit ihnen umzugehen, können wir unsere Essgewohnheiten nachhaltig verbessern. 

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